Die Bernardikapelle im Heiligenkreuzerhof

Die Bernardikapelle ist eine Rektoratskirche der Cistercienserabtei Stift Heiligenkreuz, & gehört zum Ensemble des Heilgenkreuzerhofes, seit dem 12. Jahrhundert Stadtresidenz der Zisterzienser von Heiligenkreuz in der Haupt-, & Residenzstadt Wien.

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Der Heiligenkreuzerhof liegt im ältesten Teil des historischen Stadtzentrums von Wien, im nördlichen Schatten des Stephansdomes. Sein heutiges Aussehen verdankt er Umbauten zwischen 1659 und 1676, & einer Überarbeitung im Laufe des 18. Jhdts. Er besteht aus der barocken Prälatur mit cour d`honneur, der Kapelle unter dem Patronat des Hl. Bernhard von Clairvaux, einem bemerkenswert verwickelten Kellersystem, einem um ein Rechteck geschlossenen Komplex von Zinswohnungen, einem Restaurant (dem Buxbaum), & einer Reihe von Geschäftslokalitäten (darunter zwei Werkstätten für Geigenbau).

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Zwei Zugänge führen in das pittoreske Ensemble barocker Stadtarchitektur, das sowohl von der Grashofgasse wie von der Schönlaterngasse aus betreten werden kann. In der Sakristei der Bernardikapelle befindet sich der Basiliskenbrunnen, Schauplatz einer schauerlich tiefsinnigen Sage aus der Wiener Stadtgeschichte. Im Heiligenkreuzerhof wohnten u. a. der Gründer der PanEuropa Bewegung Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi (dessen Frau, die Schauspielerin Ida Roland hier häufig von Robert Musil besucht wurde), & der österreichische Schauspieler, & Kabarettist Helmut Qualtinger.

Die Bernardikapelle (Oratorium S. Bernardi Clarevallensis) ist Teil der Prälatur des Heiligenkreuzer Hofes, & diente ursprünglich dem Herrn Abt von Heiligenkreuz als Privatkapelle, wenn er sich – was in Zeiten träger Mobilität nicht selten in Fall war – in diversen geistlichen, wie politischen Geschäften länger in Wien aufhalten musste. Eine verglaste Loge stellt von den Räumen der Prälatur den direkten Zugang zur Kapelle her, & ermöglichte dem Herr Abt einen barrierefreien Zutritt zu Betrachtung, & Gebet. Von der Loge aus fällt der Blick des Beters direkt auf den Hochaltar, & den Tabernakel der Kapelle.

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Ihre heutige Gestalt verdankt die Kapelle den Umbauten des Heiligenkreuzer-Hofes unter Abt Clemens Scheffer (ACS); 1662 wurde sie durch Philipp Graf Breuner, 1639 – 1669 Fürstbischof von Wien, konsekriert. Keinerlei äusserer Schmuck lässt die Glorie erahnen, die den Besucher im Inneren der Kapelle aufnimmt. Die Statuen des Hochaltares, der beiden Lateralaltäre, die Ornamentik an den Blendladen der beiden Sängerlogen sind mit reinstem Gold überzogen, & verleihen dem Sakralraum einen Glanz, der das Erscheinen der göttlichen Herrlichkeit in der Feier der Liturgie sehnsuchtsvoll ankündigt und abbildlich spiegelt. Über dem Hochaltar zeigt ein monumentales Gemälde von Martino Altomonte (1657 – 1745) die Lactatio S. Bernardi: eine Darstellung der Madonna, die den Hl. Bernhard von Clairvaux mit ihrer Muttermilch stillt. Zur Rechten und zur Linken des Hochaltares wenden sich lebensgrosse Statuen der Hll. Leopold, & Florian dem Tabernakel, dem Zelt Gottes unter den Menschen zu, in dem das Allerheiligster Altarssakrament zur Anbetung aufbewahrt wird. Das Glaubensgeheimnis von der realen Gegenwart des Fleisches und Blutes Jesu Christi in diesem Sakrament war vom Konzil von Trient 1551 feierlich bestätigt worden und bildete in der darauf folgenden Epoche der katholischen Reform einen zentralen Inhalt des Bekenntnisses zur wahren und unverfälschten Tradition des christlichen Glaubens. Die von der Decke herabhängende Ampel mit dem Ewigen Licht, einer beständig brennenden roten Ölflamme, bezeugt die wahre, wirkliche, & substantielle Gegenwart des eucharistischen Leibes Christi hinter den verschlossenen Türen des Tabernakels. Der Marienaltar auf der rechten Seite des einschiffigen Raumes zeigt die jugendliche Maria, wie sie von ihrer Hl. Mutter Anna das Lesen erlernt; auf dem gegenüberliegenden Josephsaltar sieht man den jungen Jesus, der seinem erschreckten Nährvater ein von ihm gezimmertes Kreuz präsentiert. Beide Ensembles – wie der gesamte figurale Schmuck der Kapelle – stammen von Giovanni Giuliani (1664 – 1744), der – wie auch sein Malerkollege Martino Altomonte – Familiare des Stiftes Heiligenkreuz war.

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Büste des Hl. Bernhard von Clairvaux von Giovanni Giuliani über dem Portal der Bernardikapelle

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